Archiv für Januar, 2008

Zwei weitere Boeing 737 AEW&C für die Türkei?

Posted in Aktuelle News, Türkei-Militär on Januar 14, 2008 by Herman Gieseking

Die Türkei orderte 2005 4 Boeing 737 AEW&C (Airborne Early Warning & Control) mit der Option auf 2 weitere Maschinen für ihre Luftwaffe beim Hersteller aus Seattle. Die erste AEW&C sollte bereits 2007 in den Dienst der türkischen Luftwaffe gestellt werden, die zweite sollte dieses Jahr folgen, drei und vier 2009. Nun verzögert sich die Auslieferung bereits der ersten Maschine um mehr als zwei Jahre. Zwar ist die erste Boeing 737 bereits bei der TAI (Turkish Aerospace Industries; Subunternehmen in diesem Projekt) für weitere Modifikationen eingetroffen, der Ärger in der Türkei ließ sich jedoch nicht verbergen.

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Bild: Boeing 737 AEW&C auf dem Gelände der TAI

Wie die türkische Zeitung Hürriyet vor kurzem berichtete, steht das türkische Verteidigungsministerium, aufgrund der Verzögerung, mit Boeing bereits in Gesprächen über eine Konventionalstrafe. Genaues ist noch nicht bekannt, der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönül ließ aber verlautbaren, dass man kurz vor einer Einigung sei. Es sickerte nun durch, dass Boeing dem türkischen Verteidigungsministerium angeboten haben soll, beim Ziehen der Option auf zwei weitere Maschinen, eine AEW&C unentgeltlich zu überlassen. Im Endeffekt würde dies heißen, die Türkei erhält 6 Boeing 737 AEW&C Flugzeuge zum Preis von 5. Bereits 2006 war zu hören, dass die türkische Luftwaffe erwog, die Option auf 2 weitere Maschinen ziehen zu wollen. Daher könnten sich Boeing und das türkische Verteidigungsministerium genau an diesem Punkt geeinigt haben.

Die Boeing 737 AEW&C Wedgetail kann mit ihrem MESA (Multi-role Electronically Scanned Array) Radar bei einer Reichweite von 200 SM (entspricht 370,4 Kilometern) bei 360 Grad Ausrichtung gleichzeitig 3000 Luft- und Seeziele erkennen. Bei geringerer Gradausrichtung des Radars können Luft- und Seeziele von über 400 SM (740,8 Kilometer) erfasst werden. Die Boeing 737 AEW&C mit ihrem MESA Radar stellt zurzeit wohl das Beste dar, was es auf dem Markt an Frühwarnflugzeugen gibt. Neben der Türkei haben auch Australien und Südkorea dieses Flugzeug geordert.

Die Türkei stellt im Rahmen der NATO Besatzungen für die AWACS Frühwarnflugzeuge in Konya in der Türkei und in Geilenkirchen bei Aachen in Deutschland.

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Mehmetcik-1 Infanteriegewehr

Posted in Aktuelle News, Türkei-Militär on Januar 14, 2008 by Richard Lloyd Bentz

Bereits kurz nach der Vorstellung des neuen Infanteriegewehres Mehmetcik-1 (M1) von MKEK, an der auch der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönül anwesend war, rumorte es in Fachkreisen. Gönül sagte, „ohne das wir ein Patent gekauft hätten, haben wir zwei Produkte der Öffentlichkeit präsentiert, das Infanteriegewehr (M1) und das neue Scharfschützengewehr JNF-90“. „Nun werden diese von den Streitkräften getestet und wenn sie überzeugen, so kann man zur Serienproduktion übergehen“, so Verteidigungsminister Gönül weiter.

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 Bild: links die Kurzversion der M1, rechts mit 40 mm Granatwerfer

Kenner machten sehr schnell aus, dass rein optisch die M1 der HK416 von Heckler & Koch gleicht. Leichte Veränderungen sind zu sehen, so ist die M1 unter anderem hinten abgerundet und nicht eckig wie bei der HK416. In Fachkreisen gab es daraufhin zahlreiche Spekulationen (… lesen sie hier mehr). Das Gewicht der M1 beträgt 3,6 Kilogramm, effektive Reichweite 500 Meter, Kaliber 5,56 mm. Falls die M1 die Tests der türkischen Armee besteht, so kann MKEK auf eine Bestellung von mehr als 500.000 M1 hoffen.

rlb

Irans neues Kampfflugzeug „Saegheh“

Posted in Aktuelle News, Militär on Januar 14, 2008 by Herman Gieseking

Der iranische Luftwaffenchef Ahmad Migani teilte der Presse mit, dass das Land nun mit der Serienproduktion des Jägers Saegheh (deutsch: Blitzschlag) beginnen würde. Laut Migani sei die Saegheh „für feindliche Radare unsichtbar und würde als Kampfflugzeug der 5.Generation“ gelten. „Der Jäger würde komplett im Iran gebaut werden und würde europäischen Kampfflugzeugen in nichts nachstehen“, so Migani weiter.

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Bild: Saegheh

Diese Aussagen von Ahmad Migani dürfen angezweifelt werden. Dass der Saegheh über Stealthfähigkeiten verfügt ist ausgeschlossen, handelt es sich doch um eine Umkonstruierung der amerikanischen F-5. Ein Kampfflugzeug der 5.Generation ist die Saegheh auch nicht, dass ist der Eurofighter nicht einmal. Der Eurofighter wird als Generation 4 1/2 eingestuft, zur 5.Generation zählt bisher nur die amerikanische F-22 Raptor und zukünftig die F-35 Lightning II.

Der Iran gibt sich zwar Mühe, was Eigenes im Bereich Rüstung und Luftfahrt auf die Beine zu stellen, im Luftkampf gegen die israelische Luftwaffe oder des iranischen Nachbars Türkei, dürfte die Saegheh aber nicht ankommen. Das wird Ahmad Migani als Luftwaffenchef wohl auch wissen, nur sind solche Ankündigungen Balsam für die Seele des iranischen Volkes.

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Kasirga und Yildirim Raketen gegen PKK

Posted in Aktuelle News, Türkei-Militär on Januar 13, 2008 by Attila T. Beyoğlu

Seit dem 16.Dezember 2007 fliegt die türkische Luftwaffe nun in regelmäßigen Abständen Angriffe gegen PKK-Stellungen im Nordirak. Nun wurde bekannt, dass die PKK-Camps nicht nur durch Luftangriffe, sondern auch durch gezielten Beschuss mit den neuen ballistischen Raketen Kasırga (deutsch: Hurrikan) und Yıldırım (deutsch: Blitz) beschossen wurden.

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Bild: Kasirga WS-1

Türkische Medien berichteten, dass die Angriffe zur vollen Zufriedenheit der türkischen Militärs ihre Ziele getroffen und zerstört hätten. Diese neuen Waffensysteme sollen zum ersten Mal gegen feindliche Ziele eingesetzt worden sein. Zuvor waren beide Systeme nur auf Testgeländen des türkischen Militärs getestet worden.

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Bild: Yildirim J-600T

Die Kasırga und Yıldırım sind in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Militär entwickelt worden. INS (Inertial Navigation System) sollen die Chinesen bei dieser Zusammenarbeit von der Türkei erhalten haben. Die Türkei bestätigte dies nicht, dementierte es aber auch nicht. INS reduziert den CEP (Circular Error Probable), also die Zielgenauigkeit der Raketen, um ein Erhebliches. In der Türkei werden diese durch GPS ergänzt.

Die Reichweite der Kasırga beläuft sich bei der WS-1 auf 100 Kilometer und bei der WS-1B auf 180 Kilometer. Der Launcher verschießt 4 Raketen mit 302mm.

Die Yıldırım hat eine Reichweite von zunächst 150 Kilometern, soll aber bis 300 Kilometer in den kommenden 3 Jahren erweitert werden. Laut türkischen Medienberichten gab es bereits erfolgreiche Tests bis zu 250 Kilometern. Der Gefechtskopf soll 480 Kilogramm tragen. Die Türkei unterschrieb 1997 das MTCR (Missile Technology Control Regime), wo sie sich selbst verpflichtete, keine Raketen mit mehr als 300 Kilometer Reichweite und mehr als 500 Kilogramm Nutzlast zu bauen.

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Exporterfolg der türkischen MRTP-33

Posted in Aktuelle News, Türkei-Militär on Januar 12, 2008 by Richard Lloyd Bentz

Seit der Intervention der Türkei auf Zypern 1974 und dem Waffenembargo welches die USA daraufhin gegen die Türkei erhoben, entschloss sich das Land eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen. Das Embargo hoben die USA kurze Zeit später wieder auf, die Entschlossenheit der Türkei eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen blieb. Zunächst mit bescheidenem Erfolg, aber in den letzten 15 Jahren hat sich so einiges getan, gerade weil die Türkei auch auf Joint Ventures mit anderen Staaten setzte.

Bei der MRTP-33 ist es anders, eine Eigenkonstruktion der türkischen Werft Yonca Onuk. Das Schnellboot MRTP-33 ist eine Weiterentwicklung des bereits erfolgreichen Vorgängers MRTP-29.

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 Bild: MRTP-33 PNS Zarrar der pakistanischen Marine

Vor kurzem wurde die erste MRTP-33 der pakistanischen Marine übergeben. Ein weiteres ist bereits bestellt. Weitere MRTP-33 wurden von der türkischen Marine und Albanien geordert.

MRTP steht für Multi Role Tactical Platform und das ist die MRTP-33 wahrlich. Ein auf einem Stealth-Design basierendes Schiff welche ausgestattet mit verschiedenen Waffensystemen, ein mehr als erstzunehmender Gegner auf dem Meer ist. Sie wird wie folgt beschrieben, „sie taucht ungesehen auf, beschießt das gegnerische Schiff und schwimmt unbemerkt wieder davon“.

Zukünftig werden weitere Aufträge erwartet, da Yonca Onuk bei mehreren Ausschreibungen verschiedener Marinen weltweit mit dabei ist. Das lässt hoffen, nicht nur für die türkische Werft, sondern auch für die anderen Bereiche der Rüstungsindustrie des Landes.

rlb

Gül zu Besuch bei Bush: Neue strategische Partnerschaft?

Posted in Aktuelle News, Geostrategische Analysen on Januar 9, 2008 by Attila T. Beyoğlu

Es ist nichts Ungewöhnliches wenn ein Staatspräsident der neu im Amt ist, einen Antrittsbesuch beim Präsidenten der Vereinigten Staaten macht. Abdullah Gül wurde im August 2007 zum türkischen Staatspräsidenten gewählt und nach 12 Jahren besucht nun wieder ein türkischer Staatspräsident den mächtigsten Mann der Welt. Auch das ist noch nichts besonderes, man könnte meinen „es wird mal wieder Zeit“.

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Bild: Abdullah Gül

Interessant wird es, wenn man berücksichtigt, dass der türkische Ministerpräsident Erdogan erst Anfang November beim US-Präsidenten zu Besuch war. Der jetzige Besuch des türkischen Staatspräsidenten Gül ist eben im Kontext zu diesem Treffen zwischen Erdogan bei Bush zu sehen. Als Erdogan am 5.November im Oval Office mit George W. Bush zusammentraf war nicht sicher wie sich das Verhältnis zwischen den beiden NATO-Staaten entwickeln würde. Bis zu diesem Treffen galt das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei als sehr angespannt. Seit die Türkei im März 2003, kurz vor dem Beginn des Irakkrieges, es US-Truppen nicht gestattete von der Türkei aus in den Irak einzumarschieren begann die Abkühlung der Beziehungen. Die weitgehende Autonomie die die Kurden im Nordirak mit Unterstützung Washingtons weiter ausbauten war der Türkei ebenfalls ein Dorn im Auge, befürchtete sie, dass dies auch auf die im Südosten der Türkei lebenden Kurden übergreifen könnte. Der Nullpunkt wurde dann erreicht, als die auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte PKK vom Nordirak aus ab 2003 wieder vermehrt Angriffe gegen das türkische Militär und Zivilisten in der Türkei verübte. Trotz mehrmaliger Bitten der Türkei an die USA, sie mögen mit denen im Irak stationierten Truppen etwas gegen die PKK unternehmen, hielten die USA die Türkei mit Worten hin.

Erdogan musste handeln

In dem Jahr als Erdogan Ministerpräsident wurde gab es in einem ganzen Jahr zwei durch die terroristische PKK getötete Soldaten. Seit 2003 erstarkte die PKK unter dem Schutz der kurdischen Autonomieregion und mit wohlwollender Unterstützung des Regionalpräsidenten Barzani im Nordirak von neuem. Im Oktober 2007 kurz vor dem Besuch Erdogans in Washington, tötete die PKK fast zwei Dutzend Zivilisten und türkische Soldaten. Diese Umstände setzten Erdogan in der türkischen Bevölkerung unter mächtigen Druck und Erdogan setzte sich mit den türkischen Militärs an einen Tisch, um ein gemeinsames Vorgehen gegen die terroristische PKK auszuarbeiten. Diese sah vor, Bush vor die Wahl zu stellen, „entweder wir oder die Kurden im Nordirak“. Diese hatten unter dem Regionalpräsidenten Barzani von Washington erfolgreich verlangt, der Türkei jegliche Intervention gegen die PKK im Nordirak zu untersagen. Die türkische Regierung in Zusammenarbeit mit dem Militär ließen sich jedoch vom türkischen Parlament die Erlaubnis geben eine groß angelegte Militärintervention im Nordirak durchzuführen. Kurz nach dem Parlamentsbeschluss zog die türkische Armee 150.000 Soldaten mit teils schwerem Gerät direkt an der Grenze zum Nordirak zusammen. Dies zeigte die Entschlossenheit auch notfalls im Alleingang die PKK im Nordirak zu bekämpfen.

Türkei erhält „grünes“ Licht

Nachdem Treffen zwischen Bush und Erdogan war man erstaunt wie Bush von der PKK als „gemeinsamen Feind der USA und der Türkei“ sprach. Zumal Washington bis dato nichts gegen die PKK unternommen hatte. Vereinbart wurde, dass Washington der Türkei Aufklärungsbilder über PKK-Camps und Bewegungen der PKK-Terroristen liefert. Diese sollte die Türkei nutzen, um mit gezielten Luftschlägen und kleineren Operationen von Special Forces wie den Bordo Bereli die PKK zu bekämpfen. Eine große Intervention konnte so verhindert werden, wäre aber aufgrund des anbrechenden Winters in den Bergen der Region ohnehin nicht zu dem Zeitpunkt möglich gewesen.

Ein anderer Hintergrund für das Umdenken der Bush-Regierung könnte auch gewesen sein, dass kurz vor dem Besuch Erdogans ein Ausschuss des US-Kongresses einen Antrag mit 27 Ja-Stimmen zu 21 Nein-Stimmen in den US-Kongress passieren ließ. Dieser Antrag beinhaltete die Anerkennung des Genozids an den Armenier durch das Osmanische Reich während des 1.Weltkrieges. Eine Mehrheit im US-Kongress war zu diesem Zeitpunkt dem Antrag sicher. Die Türkei beorderte ihren Botschafter Nabi Şensoy nach Ankara zurück. Viel wichtiger waren aber die Äußerungen die nun von US-Sicherheitskreisen und dem Pentagon über die US-Medien hallten. Jetzt wurde auf einmal klar, 70% der Logistik der US-Soldaten im Irak stammen aus der Türkei. Der türkische Luftwaffenstützpunkt Incirlik bei Adana ist ein Knotenpunkt auf den die USA auch für ihre Soldaten in Afghanistan angewiesen sind. Selbst ein nicht geringer Anteil des Treibstoffes für die US-Soldaten im Irak stammt aus türkischen Raffinerien. Diese Äußerungen reichten und Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Kongresses und starke Befürworterin des Antrages, verschob diesen da es keine Mehrheit mehr unter den Kongressabgeordneten gab. Wann und ob überhaupt eine Abstimmung im US-Kongress stattfindet ist ungewiss.

Erfolgreiche Luftschläge

Am 16.Dezember griff die türkische Luftwaffe dann erstmals seit Jahren PKK-Lager im Nordirak an. Mittlerweile weiß man, dass die USA die Aufklärungsbilder weitergaben und den irakischen Luftraum für die türkischen Kampfflugzeuge öffneten. Danach folgten weitere Luftschläge und eine vorläufige Bilanz liegt ebenfalls vor. Demnach wurden das Hauptcamp der PKK im Kandilgebirge und weitere Camps völlig zerstört. Nach Angaben der türkischen Armee wurden mindestens 150 PKK-Terroristen getötet und weitere hundert seien schwer verletzt worden. Die USA und auch die kurdische Regionalregierung widersprachen diesen Angaben nicht.

Auch sind die Äußerungen Barzanis verstummt. Dieser hatte noch nach dem ersten türkischen Luftangriff vom 16.Dezember die USA gedrängt, der Türkei keine weiteren Angriffe zu erlauben. Vergeblich. Auch musste Barzani eine Niederlage einstecken, als US-Außenministerin Condoleezza Rice am 18.Dezember, also 2 Tage nach dem ersten Luftschlag, in Kirkuk eintraf und das Referendum über die Zukunft der Stadt um 6 Monate verschoben wurde. Die nordirakischen Kurden erhoffen sich von einem Referendum einen Anschluss der ölreichen Provinz an ihr Regionalgebiet und damit die Hoffnung bei einem Zerfall des Iraks über reiche Erdölvorkommen zu verfügen. Doch von einer 3-Teilung des Iraks ist in Washington, auch in den zahlreichen Think Tanks, nicht mehr die Rede.

In der Türkei hingegen schwärmen Kommentatoren schon von einer neuen strategischen Partnerschaft zwischen beiden Staaten. Denn die USA brauchen die Türkei, nicht nur für die logistische Versorgung ihrer Soldaten im Irak, sondern auch für einen Irak nachdem ihre Truppen dort abgezogen sind. Auch brauchen sie die Türkei für den Einsatz in Afghanistan und all die Aufgaben die auf beide Staaten in Zukunft noch zukommen werden. Hier sei der Iran erwähnt. Der jetzige Besuch Abdullah Güls bei George W. Bush ist nach den Entwicklungen der letzten zwei Monate wohl das Ergebnis der Frage die Erdogan im Oval Office stellte, „entweder wir oder die Kurden im Nordirak“.

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MKEK stellt neues türkisches Infanteriegewehr „Mehmetcik-1“ vor

Posted in Aktuelle News, Türkei-Militär on Januar 8, 2008 by Richard Lloyd Bentz

Ob nun Lizenzfertigung oder modifizierte Eigenversion, es handelt sich hierbei um eines der besten Infanteriesturmgewehre der Welt, um die HK416. In den USA benutzen Special Forces die HK416. Deren eigenen Gewehre wie M4 und M16 sind auch sehr passabel, jedoch haben sie zu oft Ladehemmungen, woraufhin das US-Verteidigungsministerium eine Neuausschreibung für die Special Forces anordnete und die HK416 sich gegen die Konkurrenten durchstetzte. Die HK416 vereint die Präzision der M4, die Reichweite der M16 und die Zuverlässigkeit der G36 bei kaum bis keiner Ladehemmung bis zu 20.000 Schuss. Aufgrund ihrer Präzision nannte der Hersteller Heckler & Koch die Waffe auch erst HK M4 als Anspielung auf die amerikanische M4 des Herstellers Colt, dieser legte jedoch Beschwerde ein und Heckler & Koch nannte das Gewehr um in HK416, als Anspielung auf die M4 und M16, also 416.

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Bild: Unten die verschiedenen Versionen der Mehmetcik-1

Als sicher gilt, dass das Mehmetcik-1 ein Klon der HK416 ist. Jedoch ist interessant, das MKEK das Gewehr nicht HK416 nennt, sondern ihm eine Eigenbezeichnung Mehmetcik-1 gibt. Wäre es eine Lizenzproduktion würde es so wie in der Vergangenheit den Originalnamen, G3, HK33 oder eben jetzt HK416 tragen. Einfach so kopieren und einen anderen Namen geben kann MKEK nicht, da würde Heckler & Koch prozessieren. Mittlerweile kursieren verschiedene Spekulationen dazu, dass es eventuell einen Deal zwischen Heckler & Koch, MKEK und den Türkischen Streitkräften (TSK) gab. Und zwar gehen diese Spekulationen auf die Bestellung der HK33 zurück. Damals wollte die TSK die HK33 als neues Infanteriegewehr einführen und bestellte an die 500.000 Stück. Nach ca. 50.000 Stück wurde die Lizenzproduktion durch MKEK aber gestoppt, weil die HK33 wohl angeblich nicht dem entsprach was sich die TSK vorstellte. Heckler & Koch war daraufhin besorgt, dass einer ihrer größten Kunden sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnte. Die Entwicklung der HK416 war damals schon in Planung und es kann sein dass Heckler & Koch, MKEK und die TSK damals irgendwie mit ins Boot holte und sagte, dass man ihnen bei der Herstellung ihres eigenen Infanteriegewehres auf Basis der HK416 behilflich sein wolle. Sicher ist jedoch, dass das Mehmetcik-1 als türkisches Erzeugnis gilt, daher die Eigenbezeichnung und die Ankündigung, wie von türkischen Medien wiedergegeben wurden, sie exportieren zu wollen. Leichte Veränderungen im optischen sind bei der Mehmetcik-1 zu sehen.
Stimmen all diese Spekulationen, hat die Türkei in diesem Falle geschickt gehandelt. Denn jetzt hat MKEK die Baupläne für eines der besten Infanteriegewehre. Und letztlich kommt es der Türkei nur darauf an, dass der türkische Soldat im Kampf mit einem der besten Infanteriegewehre kämpft.

Noch muss die TSK das Infanteriegewehr jedoch bestellen, aber dies gilt wohl als sicher. Die Gründe dafür dürften Folgende sein: Das Verteidigungsministerium und die TSK haben in früheren Erklärungen verlautbart, dass das neue Infanteriegewehr eins aus einem türkischen Unternehmen sein wird. Es gibt in der Türkei 3 Hersteller für Waffen und Gewehre:
– Sarsılmaz
– Kalekalıp
– MKEK

Sarsılmaz und Kalekalıp stellen Gewehre ebenfalls in Lizenz her, Sarsılmaz die amerikanische M4, eigene Entwicklungen gibt es auch, aber wirklich was handfestes hat man in Bezug auf ein Infanteriegewehr bisher nicht gesehen. Hinzu kommt, das MKEK seit Jahrzehnten der Hauptlieferant von Gewehren für die TSK ist, beispielsweise die G3 und HK33. Jetzt hat MKEK mit der Mehmetcik-1 ein Gewehr welches der HK416 gleicht. Und die HK416 gilt als eines der Besten, wenn nicht das Beste Infanteriegewehr der Welt. Da wird die TSK in absehbarer Zeit wohl eine Bestellung abgeben.

rlb